Sophia und ich – zwischen Kaffee, Chaos und klugen Gedanken


Es gibt Menschen, die treten in dein Leben, bleiben eine Weile, verschwinden wieder - und dann gibt es Menschen wie Sophia. Sie ist keine Zufallsbekanntschaft, keine flüchtige Freundschaft, die in der Hektik des Alltags verblasst. Sophia ist ein Anker, ein Fixpunkt in meinem Leben. Wir haben uns 2010 kennen gelernt, an einem Ort, der so weit weg war, dass er fast unwirklich erschien, in einem Land, das uns beide auf eine Weise verändert hat, die wir damals noch nicht begreifen konnten.

Wir waren dort, jeder mit seiner eigenen Geschichte, seinen eigenen Gründen. Es war ein fremdes Land mit einer fremden Kultur, aber nichts fühlte sich fremd an. Von Anfang an gab es ein gegenseitiges Verständnis, eine Vertrautheit, als hätten wir uns schon immer gekannt. Ich weiß nicht, ob es Schicksal war oder einfach nur ein glücklicher Zufall - aber schon damals war mir klar, dass Sophia nicht nur eine Bekanntschaft bleiben würde.

Sie war schon damals beeindruckend. Klug, schlagfertig, schön - einer dieser Menschen, die einen in einem Gespräch gleichzeitig herausfordern und zum Lachen bringen können. Sie war direkt, ohne verletzend zu sein. Sie sagte die Dinge, wie sie waren, und sie hatte eine Art, mich mit einem Blick auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen.

Nach unserer Zeit in diesem "fernen, fernen" Land hat uns das Leben in verschiedene Richtungen geführt. Später waren wir beide in Berlin, aber wir sahen uns nicht oft. Manchmal verloren wir uns aus den Augen, lebten unser eigenes Leben, trafen Entscheidungen, die den anderen nicht immer betrafen. Und doch - Sophia war nie wirklich weg.

Manche Freundschaften funktionieren auch auf Distanz. Man kann Monate, vielleicht Jahre vergehen lassen, ohne dass sich das Fundament verändert. Sophia war so jemand. Jetzt, 2024, ist sie wieder intensiver in meinem Leben als je zuvor. Und das ist mir jetzt wichtiger, als ich es je in Worte fassen könnte.

Wenn man mich beschreiben müsste, dann wohl mit dem Wort „chaotisch“. Ich bin ein Meister darin, Dinge zu verlieren, zu spät zu kommen und mein Leben mit viel zu vielen Gedanken zu verkomplizieren. Sophia dagegen ist ... organisiert. Nicht in einem übertriebenen, spießigen Sinne, sondern auf eine Art, die mir Sicherheit gibt. Wenn ich durch die Welt stolpere, fängt sie mich auf, bevor ich zu hart auf dem Boden aufschlage.

Wir haben unsere Rituale. Eines davon: Kaffee.

Oft treffen wir uns in unserem Stammcafé. Ein kleiner, unscheinbarer Laden, in dem die Zeit langsamer vergeht. Sophia kommt immer zu früh, ich zu spät. Sie sitzt schon an unserem Tisch, eine Hand um die Tasse gelegt, während ich atemlos hereinstolpere, weil ich entweder den falschen Bus genommen oder mein Handy verlegt habe oder weil im Supermarkt eine Schlange war, die mir wie ein schlechter Scherz vorkam.

Sie zieht eine Augenbraue hoch. „Lass mich raten. Du kommst zu spät, weil du einer alten Dame über die Straße geholfen hast?“

Ich schüttle den Kopf. „Nein. Ich komme zu spät, weil meine Schuhe auf mysteriöse Weise im Flur verschwunden sind.“

„Das nennt man Unordnung.“

„Das nennt man Leben.“

Sie lacht. Das mag ich an ihr - sie kann mich aufziehen, ohne dass es nach Kritik klingt. Unsere Gespräche drehen sich um alles Mögliche. Manchmal reden wir über tiefsinnige Dinge. Über das Leben, den Tod, über Dinge, die uns glücklich machen oder uns den Schlaf rauben. Manchmal sind es völlig absurde Themen.

„Ich glaube, die wahre Definition eines erfolgreichen Menschen ist jemand, der sein Handtuch immer so aufhängt, dass es optimal trocknet“, sage ich einmal.

Sophia blinzelt mich an. „Das ist die tiefste Weisheit, die du heute hast?“

„Denk mal darüber nach. Es erfordert ein gewisses Maß an Voraussicht und Planung. Die wahren Helden des Alltags sind nicht die Philosophen, sondern die Menschen, die ihre Alltagslogistik im Griff haben.“

„Also die, die nie den Überblick verlieren?“

„Genau.“

Wir prosten uns mit unseren Kaffeetassen zu. Es sind diese kleinen, scheinbar unbedeutenden Gespräche, die mir das Gefühl geben, lebendig zu sein. Sie erinnern mich daran, dass das Leben nicht nur aus großen Momenten besteht, sondern aus all den kleinen, unscheinbaren Momenten, die in ihrer Einfachheit perfekt sind.

Meine Angst heute - die Sophia sehr gut versteht - hatte ich früher nie. 

Natürlich gibt es auch andere Tage. Tage, an denen mich die Realität meiner Krankheit überwältigt. Tage, an denen ich mich frage, wie viel Zeit mir noch bleibt. Sophia weiß das. Sie drängt mich nicht, darüber zu reden, aber sie weiß genau, wann sie die richtigen Fragen stellen muss.

„Hast du Angst?“, fragt sie mich eines Tages, als wir im Park spazieren gehen.

Ich zögere. Dann nicke ich. „Ja.“

Sie schaut mich lange an, dann sagt sie: „Das darfst du auch.“

Kein „Aber du hattest doch ein erfülltes Leben“. Kein „Aber du solltest dich auf das Positive konzentrieren“. Nur diese einfache Bestätigung, dass es in Ordnung ist, so zu fühlen, wie ich fühle.

Ich schaue sie an. „Das war dein klügster Satz heute.“

Sie lächelt. „Gleich nach dem mit dem Handtuch, oder?“

Ich lache. Weil ich mit ihr lachen kann, auch wenn ich Angst habe.

Sophia, die mich rettet, ohne es zu wissen.

Egal, was mir passiert, Sophia wird da sein. Nicht weil sie eine Heilerin ist oder mir die Angst nehmen kann. Sondern weil sie mich hält, ohne dass ich darum bitten muss. Wenn ich schwach bin, ist sie stark für mich. Wenn ich stark bin, lacht sie mit mir. Wenn ich nicht weiß, wohin mit meinen Gedanken, gibt sie ihnen Raum. Ich weiß nicht, ob sie selbst weiß, wie wichtig sie für mich ist. Vielleicht sollte ich es ihr öfter sagen. Vielleicht sollte ich ihr sagen, dass sie mehr für mich tut, als Worte es je ausdrücken könnten. Aber ich glaube, sie weiß es. Weil sie Sophia ist.

Meine allerbeste Freundin, mein Engel und mein Halt in einem Leben, das manchmal völlig außer Kontrolle gerät – ich danke dir von ganzem Herzen. Und egal, wie lange ich noch lebe, solange Sophia da ist, wird es immer einen Grund zum Lachen geben.

Eines Tages werde ich auf einem neuen Planeten in einem neuen Land sein, wo die Tiere und die Natur um mich herum mir Gesellschaft und Freiheit schenken. Die Natur, die dieses Haus umgibt, ist eine Quelle unerschöpflicher Ruhe und Schönheit, die mir ein Gefühl von Sein gibt – einfach, friedlich und erfüllt. In dieser Einsamkeit fühle ich mich geborgen und verbunden mit allem Lebendigen, als ob die Welt, die Natur und ich im Einklang wären, jeder Teil des anderen, jeder ein Spiegel des Großen und Ganzen. Ich sitze manchmal auf meiner Veranda und blicke in den Himmel. Ich beobachte die Wolken, wie sie über das Land ziehen, und höre das entfernte Rauschen des Meeres oder das Flüstern des Windes in den Bäumen. Es ist ein Leben ohne Mangel, ohne Sorgen, nur die Weite und Stille der Natur, die mich trägt. Hier, an diesem wunderbaren Ort, finde ich alles, was ich je gesucht habe.

Aber dann ist etwas passiert ... ich bin ein bisschen länger geblieben ... sehr lange bleiben ... für immer bleiben.

Immer wieder träume ich von Sophia, und manchmal träume ich davon, mit ihr zusammenzuleben. Sie ist noch viel zu jung, erst 48 Jahre alt, und ich vermisse sie sehr. Sie ist mein Engel, mein Traum.