Amelie - Teil 1 - Wirbelwind in mein Leben


Sie war nicht nur eine Frau, sondern ein echtes Feuerwerk. Sie war eine erfolgreiche Schauspielerin, die mit ihrem Charisma alle Blicke auf sich zog. Kaum betrat sie einen Raum, schien das Licht heller, die Menschen freundlicher und die Luft wärmer zu werden. Ich war hin und weg. Und ich war nicht der Einzige. Sie war ein richtiger Magnet, der alle in ihren Bann zog, die sich in ihrer Nähe aufhielten.

Doch was Amelie wirklich besonders machte, war, dass sie trotz allem Glamour bodenständig geblieben ist. Ob auf dem roten Teppich oder bei einem verregneten Sonntagsspaziergang durch den Park – sie trug High Heels und stapfte barfuß durch Pfützen. Sie konnte sich zu Hause mit den Kindern auf dem Teppich austoben und Lego-Türme bauen, bis sie zusammenbrachen. Diese Gegensätze faszinierten mich und sie passten zu ihr wie Ketchup zu Pommes.

Amelie brachte nicht nur sich selbst in mein Leben, sondern auch ihre beiden Kinder. Anna, die kleine Wirbelwindprinzessin, und August, der ernsthafte Denker mit dem verschmitzten Grinsen. Anna war eher ein ruhiger Typ, wie ein Trööt in einer Elefantenherde. Sie war ein echtes Energiebündel, das von morgens bis abends redete, lachte und Pläne schmiedete, die in etwa so realistisch waren wie Einhörner in Berlin-Mitte. August war ruhiger, nachdenklicher und stellte Fragen, die sogar Einstein ins Schwitzen gebracht hätten, zum Beispiel: „Warum gibt es keine unsichtbaren Farben?“ oder „Können Gedanken schwimmen?“

Wir verstanden uns von Anfang an super. Die Kinder hatten offenbar beschlossen, dass ich okay war – und das war in dieser Familie das entscheidende Urteil. Anna war immer an meiner Seite, als wären wir von Anfang an ein Team gewesen. Nach unserem ersten Treffen klebte sie wie Kaugummi an mir. Wenn ich zur Tür reinkam, rief sie jedes Mal lautstark: „Da ist er wieder!“ August nickte einfach nur und grinste, was in seiner Welt so viel wie ein Ritterschlag bedeutete. Mein Umgang mit den Kindern wurde immer größer.

Ich habe mich schnell mit dem „Familienleben“ angefreundet. Da Amelie viel arbeitete, half ich oft aus, um Anna aus der Kita zu holen oder August zur Schule zu bringen. Die morgendlichen Diskussionen über die richtige Kleidung waren legendär. Anna wollte immer „Prinzessin“ sein, was bedeutete, dass sie bei minus zehn Grad ein Sommerkleid tragen wollte. „Prinzessinnen haben keine Jacken“, stellte sie klar. Ich wies darauf hin, dass selbst Prinzessinnen Frostbeulen kriegen, was zu einer ziemlich langen Diskussion führte. Am Ende zog sie die Jacke widerwillig an und meinte: „Das wird der schlimmste Tag meines Lebens.“ Zwanzig Minuten später konnte sie schon wieder darüber lachen – ein Naturtalent, wenn es darum geht, eine Drama Queen zu mimen.

Der Alltag mit den Kindern war eine Mischung aus Chaos und Comedy. August konnte wie ein Uhrwerk seine Hausaufgaben machen, während Anna meinte, dass der Tisch besser als Kunstwerk funktionierte. Manchmal haben wir aus Papprollen Raketen gebaut und sie durch die Wohnung „abgeschossen“. Das hat die Nachbarn etwas irritiert. Eines Tages kam Frau Müller von neben an und sagte: „Ihre Rakete ist bei mir gelandet.“ Ich schaute sie an und sagte: „Das war der Prototyp. Der nächste schafft es nach New York.“ Frau Müller schnaubte, Anna juchzte vor Begeisterung. 

Amelie und ich haben super zusammengearbeitet, auch wenn wir ziemlich unterschiedlich waren. Sie war sehr kreativ, hatte eine Menge Ideen und arbeitete gerne spontan. Ich war der ruhige Pol, der dafür sorgte, dass alles reibungslos (zumindest versuchen) lief, und ich schrieb gerne Listen – Einkaufslisten, To-do-Listen, Listen mit Listen. Amelie lachte und meinte: „Du hast wahrscheinlich eine Liste, auf der alle Listen aufgeführt sind, die du hast.“ Ich nickte grinsend. Ja, genau so war es – zumindest machmal. Und es klappte. Sie brachte die Farbe in unser Leben, ich kümmerte mich darum, dass der Pinsel nicht verlorenging.

Besonders gut gefallen hat uns der Ausflug zu Amelies Eltern. Bei Sonnenschein konnten die Kinder draußen spielen, während drinnen Kaffee und Kuchen serviert wurden. Es war einfach perfekt für meinen großen Moment. Ich hatte mir vorgenommen, etwas zu tun, was mir wirklich am Herzen lag: Ich wollte Amelies Eltern um ihre Hand bitten. Klingt das altmodisch? Ja, vielleicht etwas altmodisch. Aber genau so wollte ich es haben. Verrückt auf alle Fälle, aber das Wetter war traumhaft, die Schwester von Amelie war mit ihrem Freund dabei, die Töchter von Amelie und die Tochter ihrer Schwester waren sehr gut gelaunt.

Ich hatte das Gefühl, dass alle heimlich beschlossen hatten, diesen Moment so schwierig wie möglich zu machen. Immer wieder stand jemand auf und fragte: „Noch jemand Milch?“ „Ich hol schnell ein neues Messer.“ Als alle dann endlich saßen, war auf einmal die Katze interessanter als mein Antrag. „Ist das nicht ein süßes Kätzchen?“, fragte Amelies Mutter.

Ja, genau. „Aber …“ Ich holte tief Luft und nutzte die Gelegenheit. „Darf ich Sie fragen, ob ich Ihre Tochter heiraten darf?“ Es wurde still. Da war plötzlich totale Stille. Ich hatte das Gefühl, alle waren wie erstarrt. Dann fing Amelies Mutter an zu lachen und sagte: „Ja!“ Ihre Schwester jubelte: „Ja, mach das!“ Und Amelie? Sie starrte mich fassungslos an, als wäre ich gerade von einem anderen Planeten gelandet. Doch dann begann sie zu lächeln und sagte mit einem frechen Grinsen:

„Ich muss mal zum Auto … oder in die Küche … oder … meine Antwort: Ja.“

Wir waren „verlobt“. Das war der Start in ein neues Kapitel und ich war überglücklich. Und wie sieht's mit der Hochzeit aus? Die Hochzeit haben wir erst einmal aufgeschoben. Es gab einfach zu viele Dinge, die dazwischen kamen: Dreharbeiten, Schulveranstaltungen, kleine Dramen, große Abenteuer – das Leben ist voller Überraschungen. Aber das war kein Problem. Im Nachhinein war es genau richtig so.

Unsere kleine „Viererfamilie“ hat einfach gut funktioniert. Es war ein bisschen chaotisch, ein bisschen verrückt, aber vor allem war es voller Liebe und Lachen. Amelie brachte das Abenteuer, die Kinder die Freude, und ich kümmerte mich darum, dass keiner verhungerte oder aus dem Fenster flog – wortwörtlich.

... zumindest glaubte ich dies.